11. Von Kars nach Achalkalaki

11. Tag – 8. April 2010
Von Kars nach Achalkalaki 379 km
Gesamtkilometer: 4.463 km
Grenzübergang: 41 Minuten – davon 12 Minuten TR und 29 Minuten GEO

Nach dem ich gemerkt habe, dass das Tageslicht und die Uhrzeiten in diesen Breiten- und Längengraden nicht wie gewohnt übereinstimmen, bin ich bereits 6.30 Uhr aufgestanden. Nach dem Regen und Sturm vom Vortag begrüsste mich am Morgen wunderschöner Sonnenschein.

Die Autos hatten zwar gefrorene Scheiben, aber wo die Sonne schon hingekommen war, sah es recht annehmlich aus.

 

Nach dem Frühstück im Hotel und „Kuaförbesuch“ bin ich gleich aufgebrochen, um bei einer Runde durch Kars, nach Ani zu kommen.  Kars selbst bietet eine Rechteckstadt mit einigen russischen Häusern und einer Zitadelle, die ich mir spare.

Mein Ziel für den Vormittag war Ani.

Ani ist eine Ruinenstadt und liegt 45 km ausserhalb von Kars direkt an der armenischen Grenze. Dorthin gelangt man auf einer wenig befahrenen überdimensionierten 4spurigen Strasse. Entweder ist das zur Verteidigung der Türkei oder wie man auf manchen Karten sieht, für einen geplanten Grenzübergang, wenn sich die Türken mit den Armeniern endlich vertragen.
Bei Tageslicht ist die Weite der Landschaft wieder beeindruckend. Ebenso beeindruckend sind die ärmlichen Verhältnisse, wie die Menschen hier leben.
Am Eingangstor zur Ruinenstadt stell ich mein Mopped ab und werde von zwei netten Männern empfangen, die mir auf Englisch sagen, dass ich den Motorradschlüssel mitnehmen solle, alles andere würden sie bewachen. Eine Eintrittskarte könnten Sie mir noch nicht verkaufen, da der Chef eine andere Gruppe führt. Sie empfehlen mir dann noch eine Route durch die Ruinenstadt.

Es ist wirklich erstaunlich, was hier vor über 1.000 Jahren gebaut wurde und wie gut es teilweise noch erhalten ist. Ani war zeitweise die Hauptstadt von Armenien, was immerhin mit eines der oder das erste christliche Land überhaupt war.
Dass der Chef anderweitig involviert war konnte man sehen, da er eine geschäftige Gruppe durch das Areal mit Fotoshooting führte. Es müssen wohl wichtige Leute gewesen sein, da ihr Auto im sonst autofreien Ani mit Schritttempo folgte.

Erstaunlich oder auch nicht ist die Lage direkt an einem tief ins Land eingeschnittenen Flusslauf, der heute die Landesgrenze zwischen der Türkei und Armenien ist.

Nach meinem Rundgang mit Foto und Reiseführer wollte ich wieder zum Motorrad zurück, wurde aber am Kassenhäuschen von den zwei Männern aufgehalten, die mir nun eine Eintrittskarte verkaufen konnten. Bei einer Einladung zum Tee erklärten sie mir dann, dass sie nicht zur Ruinenstadt gehören, sondern Soldaten seien, die ihren Militärdienst an der armenischen Grenze leisten. Diese Grenze wäre sehr sicher. Es gäbe keine Terroristen, kein Türke will nach Armenien und umgekehrt.
Das Amtspersonen, egal ob Zoll oder Armee in Zivil rumlaufen habe ich nun schon öfter gesehen, so dass es mich nicht wunderte, dass diese Soldaten auch in Zivil waren. Im weiteren Gespräch stellt sich heraus, dass sie Zwillinge sind. 20 Jahre alt. Der eine SAP Berater, der andere Bauingenieur. Sie wohnen eigentlich in Istanbul und wurden nach Ani versetzt, wovon sie vorher noch nie gehört hatten. In der Türkei muss jeder Akademiker 5 Monate zum Militär und Nichtakademiker 16 Monate. Sie dürfen im Ruinenmuseum ihren Dienst leisten, da sie Englisch können und so nebenher auch Gruppen führen. Ich verabschiede mich nach zwei Tee und bekomme auch noch meine Eintrittskarte für 5 YTL.

Auf der geplanten schnellen Rückfahrt Richtung Kars mache ich noch einen Fotostopp, um die doch sehr ärmlichen Häuser festzuhalten.
Keine 5 Minuten später komme ich aber vom bereits einsetzenden Regen in Schneeregen und Schneefall. Auf der Anhöhe, wo ich noch 1,5 Stunden vorher im Sonnenschein Fotos von der weiten Landschaft gemacht habe, lande ich nun im Schnee.

Zum Glück habe ich richtiges Profil auf meinen Reifen, aber dennoch ist mir nicht ganz wohl und mit 20-30 km/h schleiche ich weiter. Meine Gedanken waren schon: Wieder zurück zum Hotel, den Schneefall aussitzen und dann um die Berge herum wieder zum Schwarzen Meer. Apropo Schwarzes Meer. Wisst ihr wie das türkisch heisst? Karadeniz!
Aber zurück zum Schnee. Als es wieder etwas bergab ging, habe ich einen Stopp eingelegt, um den Schnee von mir abzuklopfen, ein Foto zu machen und festzustellen, dass mit Blick nach vorn das Wetter besser wird.

An der nächsten grossen Tankstelle habe ich noch einmal gehalten. Den Tank auffüllen und den begeisterten Tankwart probesitzen lassen. Ich glaube, er wird nun seinen Korea Roller gegen eine BMW eintauschen wollen. Bei einem weiteren Tee, werde ich wieder über die Verwandtschaftsverhältnisse, Berufe und Autos resp. Motorräder der an und um der Tankstelle herum Beschäftigten informiert.

Da der Schee vorüber scheint will ich weiter. In einer spektakulären Landschaft im und mit Blick auf den kleinen Kaukasus,

fahre ich durch die Berge über Pässe (der höchste Pass 2500 Meter) nach Posof um nach Georgien einzureisen.

Alles ging erstaunlich ruhig und schnell. Wobei die Türken mein Knöllchen nicht im Computer hatten.

Dafür gab es aber wieder Tee in der Amtsstube.

Die Georgier waren auch sehr nett. Nachdem sie zu zweit Pass und Fahrzeugschein bearbeitet hatten, Stempel und Fahrzeug im  Pass platziert waren, begrüsste mich der eine mit „Welcome to Georgia!“. Der Zweite schwieg und wollte in meine zwei Koffer sehen. Das war es! Dann sagte er auch noch „Welcome to Georgia!“

Noch ein kurzer Stopp beim georgischen Zoll und alles war erledigt.

Auf einer Holperstrasse ohne Belag ging es dann nach Achalziche. Auffallend war das wohl postierte
erste Kreuz auf einem kleinen Berg.

Vertraut war es dann wieder Frauen im Strassenbild zu sehen, die man in der Türkei nur mal so auf dem
Feld oder am Rande gesehen hat. Ebenso sind die Häuser zwar nicht westlich, aber immerhin grösser, besser und auf einem Niveau, welches eher unseren Vorstellungen entspricht.

Hinter Akhaltsikhe muss ich mich ersteinmal von TomTom auf Kartennavigation umstellen, um dann nach Vardzia zu fahren. Vardzia ist eine Höhlenstadt, weit oben in die Felsen gehauhen.

Die zwei alkoholisierten Herren als Parkwächter und Einlasskartenverkäufer mögen zwar nett sein, aber mein Vertrauen, um das Motorrad unbeaufsichtigt stehen zu lassen, hatten sie nicht. So habe ich die Höhlen aus der Ferne fotografiert. Dennoch, imposant.

Genauso wie die Landschaft überall herum. Es ist faszinierend! Eigentlich könnte man stehen bleiben und nur Landschaft schauen. Sobald man um eine Kurve biegt, ändern sich die Blickwinkel und es bleibt imposant. Schluchten, Felsen, riesige 3000er mit Schnee. Toll!

In Achalkalaki beschliesse ich vor dem Dunkelwerden eine Bleibe zu finden. In einem Gostiniza für 15 Lari kann ich bleiben. Nach dem gestrigen Luxus im GrandAni in Kars ein grasser Gegensatz. Aufaddiert kommen die Kosten wieder auf einen gesunden Durchschnitt. Abendessen gab es aus dem angeschlossenen Magazin und ich merke, dass ich mehr tschechische Vokabeln als russische kann. Was heisst „lang“ auf russisch?

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