6.9.2018 San Francisco nach Leggitt

Der Wecker hat die Nacht beendet und alle haben sich mehr oder weniger begeistert heraus gekämpft. Die Handies haben wir auch aus dem Schlafmodus geweckt und als erste Nachricht des Tages erhalten wir eine Absage von Amtrak: „Due to service interruption“ ist unser heutiger Zug nach Seattle gestrichen worden!!!

Was für ein Schock! Nach der Schockstarre dann hektisches Nachdenken: wie kommen wir nach Seattle? Übermorgen wollen wir von dort nach Hause fliegen und es sind immerhin 800 Meilen!

Greyhound/Bus ist keine Alternative: die Fahrt dauert 21 Stunden und man muss mindestens viermal umsteigen, unter andere auch nachts. Wir rufen also erstmal die Amtrak Hotline an: Warteschleife! Janina und Pirmin wechseln sich beim Warten ab. Endlich ist jemand am Telefon: der Zug fährt nicht, weil auf der Strecke Waldbrände ausgebrochen wären, als Lösung bietet er uns die Erstattung des Fahrpreises oder Umbuchen auf einen anderen Zug (der Zug von San Francisco nach Seattle fährt einmal täglich, es gibt nur den einen) an. Also Fahrpreis erstatten lassen und Mietwagen suchen. Es dauert eine Weile, dann haben wir die Reservierung für ein Hertz Auto in Fisherman‘s Wharf am Nachmittag, also können wir unser geplantes Tagesprogramm wie gewohnt absolvieren.

Wir haben über die Jugendherberge 5 Fahrräder bei „Parkwide“ reserviert. Dieter regelt mit uns den Papierkram – elektronisch – erklärt uns die Route zur Golden Gate Bridge und übergibt uns unsere Räder. Leider hängen um die Brücke noch dicke Wolken.

Parkwide Fahrradverleih

Unser erster Stopp ist der Apple Store in der Chestnut Street – zu Pirmins großer Freude: Janina kann endlich den Akku von ihrem Handy tauschen lassen. Es geht zum Glück schnell; also weiter: auf dem beschilderten Radweg durchs Presidio (die Markierungen für die Kanonen sind in den Radweg eingelassen) und mit einem steilen Anstieg zum Anfang der Brücke. Was für ein schönes Bauwerk. Als wir grade drüber fahren wollen, fährt ein großes Containerschiff drunter durch: es sieht winzig klein aus. (Es fährt von USOAK (USA, Oakland) nach RUVYP (Russland, Vystochni-Port). Das wäre ja für unsere Heimreise auch noch eine Alternative, darauf sind wir gar nicht gekommen ?.

Der Radler- und Fußgängerandrang ist überschaubar, die Pfeiler stecken immer noch in den Wolken. Auf der anderen Seite am Aussichtspunkt genießen wir den Blick auf San Francisco, die Bay, Alcatraz, die Baybridge und – immer noch in Wolken – die Golden Gate Bridge.

Wir radeln auch noch – unter Protest – zum Aussichtspunkt am Berg: traumhaft!

Es ist noch nicht mal zwölf, also beschließen wir, unser Sightseeing-Fahrradtour noch ein bisschen auszudehnen: mitten durch die Stadt, immer bergauf und bergab besuchen wir in der 16th Avenue noch einen kleinen versteckten Park mit „Tiled Steps“: einer Treppe bei der alle Stufen von vorne mit einem bunten Fliesenmosaik beklebt sind. Solche Parks zwischen den Häusern werden jeweils von den Anwohnern gestaltet und gepflegt: die Stadt gibt wohl keinen Cent dazu.

16th Avenue Tiled Steps

Anschließend durch die Straßen Haight und Ashbury, wo die Hippies wohnen und ihre Läden haben. Ein letzter Anstieg, der es in sich hat und eine Abfahrt zwischen den Villen, die einer schwarzen Skipiste alle Ehre machen würde, noch um ein paar Ecken – zum Glück gibt‘s den Stadtplan zum Navigieren auf dem Handy – schon sind wir zurück. Um 15 Uhr geben wir die Räder ab, laufen zum Pier 39 für ein paar letzte Souvenirs und holen um kurz vor vier unser Auto ab. Ein komfortabler, großer Toyota Minivan. In die Jugendherberge, das Gepäck einladen, bei Safeway Abendessen einkaufen und ab über die Golden Gate Bridge in Richtung Norden. Und jetzt scheint die Sonne und alle Wolken sind weg.

Doch noch: Golden Gate Bridge im Sonnenschein

Leider kommen wir direkt in den Feierabendverkehr, das kostet uns viel Zeit. Dennoch beschließen wir – wenn wir jetzt schon mal unterwegs sind – die landschaftlich schönere Strecke über die US 101 an der Küste entlang zu nehmen und morgen noch für Redwoods zu besuchen.

Wir fahren bis Leggitt, dort liegt direkt an der Straße (kein Umweg, dafür leider laut) ein State Park Zeltplatz mit Selbstbedienung. Wir bauen in gewohnt eingespielter Weise nun doch noch mal die Zelte auf und bereiten das Abendessen zu. Auch auf diesem Platz ist es stockfinster, so dass wir nach dem Essen bald im Zelt verschwinden. Aus dem Schreck in der Morgenstunde haben wir doch noch das beste gemacht!

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